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Erich Christian Fastenmeier

Studentenwerk Leipzig: Achtsamkeit, Leipzig o.J.; 16 S.

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Franz Xaver

Da bleibe ich lieber bei der Tugendlehre der katholischen Kirche.

Was widerspricht hier denn der Tugendlehre der kath. Kirche?

Franz Xaver

Ich schlage Ihnen vor, eine aufrechte Sitzposition mit gekreuzten Beinen einzunehmen, die Hände mit den Handrücken auf die Knie ablegen, Zeigefinge und Daumen schließen und sich auf Empfindungen in Ihrem Bauch zu konzentrieren, die beim Ein- und Ausatmen entstehen; vergessen Sie dabei nicht, bei jedem Einatmen zu sich selbst "ein" und bei jedem Ausatmen "aus" zu sagen. Wenn Sie feststellen, dass ihr Gehirn mit etwas anderem als dem Atem beschäftigt, machen Sie kurz eine Notiz und kehren dann zum atmen zurück; vielleicht leuchtet Ihnen ein Licht.

Oh, Ihren Humor finde ich normalerweise schon okay, aber eine Antwort wäre mir lieber... 😇 😉

Franz Xaver

Bei meinem an Sie gerichteten Vorschlag hatte ich an die buddhistische Lehre der Achtsamkeit gedacht. Für Buddhisten bedeutet Achtsamkeit ganz in der Gegenwart und sich aller seiner Gefühle, Gedanken, und Empfindungen voll bewusst zu sein. Dabei soll entscheidend sein, dass das, was wahrgenommen werden soll, nicht bewertet wird, weil man ansonsten wieder bei den Gedanken lande, die rational in richtig und falsch, gut und schlecht bewertet werden.
Mir sagt die christliche Achtsamkeit da schon eher zu und halte mich an den Kirchenlehrer und Mystiker Franz von Sales (1567-1622) und weiteren Darlegungen von Mitchristen.
Franz von Sales hat zur Achtsamkeit folgende Übung formuliert: „Meine Vergangenheit kümmert mich nicht mehr, sie gehört dem göttlichen Erbarmen. Meine Zukunft kümmert mich noch nicht, sie gehört der göttlichen Vorsehung. Was mich kümmert und fordert, ist das Heute. Das aber gehört der Gnade Gottes und der Hingabe meines guten Willens.“
In der christlichen Spiritualität wird Achtsamkeit nicht nur mit einem Leben in der Gegenwart verbunden, sondern – und das ist ein Unterschied zum Buddhismus – mit der Gegenwart Gottes. Dies bedeutet, dass wir nicht nur ein gegenstandsloses „Schauen“, sondern eine tiefe H e r z e n s verbindung zum persönlichen Gott erleben können - und daher nicht fixiert werden auf 'Etwas' sondern uns öffnen dürfen für den der einzig zu uns spricht 'Ich bin der Ich bin' für Dich. Es ist neben der Erfahrung der Achtsamkeit gleichzeitig eine Erkenntnis Gottes und seiner Gegenwart.
Zu achten ist daher auf die kleinen Dinge im Alltag, durch die sich Gott ganz persönlich zeigt und zu uns sprechen möchte. Und die Achtung vor den Menschen wächst, da jeder Mensch ein Abbild Gottes ist – der Tempel des Heiligen Geistes… „Kontemplation ist das Erwachen zur Gegenwart Gottes...“
Es wird etwas gesehen, was vorher schon da war, aber noch nicht entdeckt worden ist. Jetzt ist es mit hellwachem Bewusstsein zu erkennen. Das ist eine Einheitserfahrung, die Paulus so ausdrückt: "In ihm leben, weben und sind wir." (Apostelgeschichte 17, 28) Psalm 139: "Von allen Seiten umgibst du mich …" „ ...Im Herzen des Menschen...“ Es ist eine tiefe Erfahrung der Einwohnung Gottes in uns. Wir sind "Tempel Gottes", sagt Paulus (1. Korinther 6, 19). So ist in dem Wort Kontemplation auch das Wort Tempel enthalten und das lateinische Verb "contemplari" bedeutet "betrachten", "beschauen". Es ist ein doppeltes Schauen: Gott schaut mich an, er sieht mich auch in dem was ich erleide; und so darf ich Gott anschauen.

Wieder kopieren Sie viel Text ohne eine Quellenangabe. Das mache ich nicht, denn ich habe gelernt, selbst zu formulieren.
Sie meinen also Achtsamkeit sei etwas Buddhistisches?

Franz Xaver

Werter Erich Christian Fastenmeier, sind Sie sich eigentlich im Klaren, dass es sich bei Gloria TV nicht um einen akademischen Blog, sondern um einen solchen mit einem völlig anderen Zweck handelt, weswegen auch die strengen Kriterien, insbesondere strenge Zitierregelungen, für akademische Arbeiten nicht Platz greifen?
Ich sehe, allgemein gesprochen, daher Blog-Beiträge in Gloria TV flexibler, wenn es zB um Belege geht. Mir ist schon klar, dass Quellenzitate eine Glaubwürdigkeit meiner - zugegeben zum Teil auch paste and copy-Passagen enthaltende - Beiträge, die weder eine wissenschaftliche noch journalistische Arbeit darstellen, erhöht, sie unterliegen aber mE mit Sicherheit keinem strengen Peer-Review-Prozess, was ja nicht wundern sollte, zumal ich weder einen Anspruch auf eigene Schöpfung noch Autorität stelle und damit auch nicht plagiiere.
Darüber hinaus habe ich auch nicht die Absicht, mir nicht gemeinfreie Werke zu eigen zu machen, weswegen mir auch im rechtlichen Sinne keine Urheberrechtsverletzungen vorzuwerfen sind.
Und was das paste and copy anlangt, so meine ich, dass es nicht notwendig ist, das Rad jeweils neu zu erfinden, sondern ohne Begründung einer Autorenschaft auf Bewährtes zurückzugreifen.
Und zuletzt: Ich bevorzuge den Begriff der "Achtsamkeit" und "Gelassenheit" verbunden mit Gebet und Kontemplation im Sinne der christlichen Tradition.

Quelle: studentenwerk-leipzig.de/ext/uploads/2024/01/acht…